• Sandra Kitzmüller

#Teil II: der unterschied: aktive Kommunikation und Pferdetraining?

Pferde haben eine sehr simple Lebensstruktur, wenn es darum geht das "(Über)Leben" zu sichern! Das ist nichts neues und schon Jahrelang bekannt!


Deshalb wird gerade damit im Pferdeumgang sehr viel propagiert und geworben! Denn Pferde sind in ihrer Natur immer demjenigen zugewandt der für ein Überleben sorgen kann!


"Wie sieht das aber in der Natur aus? Woher weiß ein Pferd, dass ein anderes Pferd für Sicherheit in der Herde sorgen kann?"


In dem es einfach Dominanter ist, seinen Willen durchboxt und andere Unterdrückt?


Wohl kaum! Denn in der Natur einer Herde geht es um soviel mehr als, "jeder kämpft für sich und kuckt wo er bleibt", sozusagen friss oder stirb!


Das spannende ist, dass Pferde ein sehr gutes Gespür dafür haben, welche Pferde wirklich die Qualitäten aufweisen, welche einen guten Anführer ausmachen! Die auch die Fähigkeit haben im Sinne der Herde gute Entscheidungen zu treffen!


Die Lebensprinzipien der Pferden gehen sehr tief und sind dicht verwoben mit Vitalität, Austausch, Authentizität und Macht!


Es ist nicht die Leitstute oder der Leithengst der die alleinige Entscheidung trägt, sich diesem Titel anzunehmen! Es ist die Herde und jedes einzelne Mitglied darin, welche diesem Pferd den Titel und die Macht des Leittieres verleihen!


Es kann keine Führung geben von etwas, was nicht geführt werden will - und natürlich sind Pferde immer darauf aus, entweder zu führen oder geführt zu werden, weil es dies in ihrer Lebensstruktur einfach erfordert.


Wir dürfen aber nie vergessen! In der Natur haben die Pferde viel mehr die Wahl wem sie sich anschließen und Herdenwechsel sind da keine Seltenheit.


Wir dürfen auch die Leittiere in unseren Haltungen nicht mit den Leittieren der Natur vergleichen! Denn in der domestizierten Haltung kommt es nicht selten vor, dass genau die oben genannten Eigenschaften bei den leitenden Pferden zu sehen sind! Da sind dann oftmals die krass dominanten, willensstarken oder unterdrückenden Pferde an der Macht.


Das kann aber nicht 1 zu 1 auf die wahre Natur der Pferde umgelegt werden, da die Pferde in unserer Haltung kaum die Wahl haben wem sie sich anschließen wollen oder ob sie die Herde wechseln!


Im Bezug zu den Menschen verhält sich das sehr ähnlich! Wenn der Mensch die Fähigkeit ein Pferd anzuführen auf diese oberflächlichen Eigenschaften beschränkt die wir oftmals in Herden sehen (Dominanz, Unterwerfung, etc.), dann hat das Pferd ja sozusagen auch keine andere Wahl und wird sich dem anschließen!


Folgende Handlungsweisen des Menschen bedienen sich dieser oberflächlichen Strukturen:

  • Wer bewegt wen und welchen Körperteil = der hat mehr Macht

  • Wer beansprucht mehr Raum? = mehr Kontrolle

  • Entspannung im Pferd = Beziehung und nähe zum Menschen

  • Widerstand im Pferd = Arbeit und das Pferd auf Distanz halten

  • etc.


Das ist das Fundament von so vielen Umgangsformen und dabei gibt es soviel mehr im Bezug zur wahren "PFERDESPRACHE" was wir Menschen lernen sollten!




Bodenarbeit vs. aktive Kommunikation


Nun habe ich sehr viel allgemeines in den ersten beiden Blog-Artikel Serien geschrieben. Lass uns jetzt zum Thema der Bodenarbeit mit dem Pferd kommen, wie sie klassischerweise am häufigsten praktiziert wird. Um das folgende besser im gesamtzusammenhang sehen zu können, war es super wichtig diese allgemeinen Informationen noch mit dir zu teilen!


"Wie oft sehen wir im Zusammensein mit dem Pferd dieses Bild? - Wir wollen das Pferd z.b longieren oder treiben es und es kickt in unsere Richtung?"


Ich selbst habe diese Situationen damals unzählige Male am eigenen Leibe erlebt! Es hat mich immer verunsichert, das Verhalten meines Pferdes nicht richtig deuten zu können & vor allem diese Reaktion in meinem Pferd hervor zu rufen.


Trainer sagten mir, dieses Verhalten sei nicht weiter "wichtig" es sei lediglich ein Ausdruck von ungehorsam, Respektlosigkeit, Unwilligkeit, bockig sein, Launenhaftigkeit, überdreht oder übermütig sein!


Es wurde einfach über dieses Verhalten hinweg trainiert - bis sich das Pferd "fügt" und brav seine Runden dreht!


Nun kommen wir auf den Kern, worin der Unterschied zwischen "Bodenarbeit-Pferdetraining" & "aktiver Kommunikation" liegt.


In den allermeisten Umgangsformen & Bodenarbeitstechniken wird nach einem

linearen "System" vorgegangen, welches Schlussendlich irgendwann jedes Pferd zur

Mitarbeit & Gefügigkeit bringt.


Es lässt aber absolut keinen Spielraum für das Pferd sich frei auszudrücken, denn

das will der Mensch nicht hören! Dadurch kann kein aktiver Dialog zwischen Mensch

& Pferd entstehen! Das Pferd hat vorgegeben Antworten, welche akzeptiert werden &

welche nicht! Das Pferd hat im Grunde nicht die Wahl frei zu entscheiden!


Der Mensch zu diesem Pferd lernt äußerst wenig über seine wahren "Leader-

Qualitäten"!



Jeder widerstand im Pferd hat eine Bedeutung!


Geht der Mensch über die ehrlichen Aussagen des Pferdes hinweg & übergeht das Pferd somit in seinem empfinden, lernt das Pferd durch "Hilflosigkeit" sich den Aufforderungen des Menschen zu fügen. Negative Bestärkung findet hier sehr oft Einsatz! Es wird dem Pferd ein angenehmes Gefühl entzogen oder damit bestraft oder es wird solange Druck ausgeübt bis das Pferd "nachgibt" - sich unterordnet.


Ein exzellentes Leittier (egal ob Stute oder Hengst) zeichnet sich durch REDUKTION aus! Gute Leittiere reduzieren ihr "tun" auf ein Minimum! Das brauchen sie auch nicht! Diese Leittiere "kämpfen" nicht um den Rang. Sie klären den Rang auch nie durch Härte, Grobheit oder reiner Dominanz!


Gute Leittiere erkennt man an ihrem Auftreten, an ihrer Ausstrahlung und ihrem Verhalten. Ein wirklich ranghohes Pferd wird nicht in Frage gestellt, denn jedes Pferd erkennt die schützenden & weisen Fähigkeiten dieser Pferde!


"Kämpf" der Mensch mit dem Pferd, weil es sich widersetzt und der Mensch braucht viel körperliche Kraft bis Gewalt, um das Pferd "beherrschen" zu können, so weist sich dieser Mensch als Rang NIEDRIG aus!


Ein Teufelskreislauf beginnt:

"Das Pferd stellt den Menschen immer wieder in Frage - Es wendet sich nicht zu Gänze seinem Menschen zu!"



Was ist die weitverbreitete Herangehensweise, wenn sich Pferde widersetzen?


Bestrafung durch (mehr) Druck, Gewalt oder Distanz bis hin zur Ignoranz!



Eines sollten wir Menschen uns definitiv bewusst werden! Alles was wir tun setzt eine Wirkung ein Ergebnis in Kraft! IMMER!


Handeln wir nach dem Prinzip des Gehorsams und der Kontrolle, muss der Mensch verstehen, dass das Pferd (nicht jedes Pferd - manche kommen auch "ganz gut" damit zurecht) seine eigenen Bedürfnisse zurück stellt! In dem Korsett aus menschlichen Regeln, to do´s & no go´s, muss sich das Pferd erst zurecht finden. Es muss seinen Menschen studieren & lernen was es darf & was nicht - denn der Mensch spricht NICHT die Pferdesprache!


Das Pferd hat die Aufgabe die gewählte Sprache des Menschen zu lernen, seine Kommandos, seine "Hilfen" oder seine Signale. Das Fenster für den eigenen individuellen Ausdruck des Pferdes schwindet fast komplett. Jedes Verhalten wird gelobt, getadelt oder bestraft.


Das Pferd "funktioniert" dann basierend auf

  • "Pressure and Release" (Druck und Nachlassen)

  • Bestrafung durch Distanz halten

  • Nähe, wenn das Pferd entspannt & gehorsam ist


Die Aufgabe des Menschen ist es dann, dieses oberflächliche Gerüst und diese künstlich erschaffene Nähe aufrecht zu halten! Das Korsett sozusagen immer eng anzuschnallen, sodass das Pferd immer seinen vorgegebenen Rahmen hat in dem es sich ausdrücken kann!


Nicht selten kippt das ganze System, weil der Mensch aus irgendwelchen Gründen dieses "Korsett" nicht länger erhalten kann (z.b. weil es wider seiner Natur ist). Das Pferd nutzt diese Lichtblicke & zeigt dann ganz deutlich seine Meinung!


Dies wird dann oftmals abgetan als...


...das Pferd ist in ein altes Muster gefallen (Ist es ein altes Muster? Oder schlummert dieses Muster einfach unter der Oberfläche bis es wieder einmal zum Vorschein kommt?)



Kein Blatt vor dem Mund: Es ist an der Zeit altes Wissen zu hinterfragen!


Mein Wunsch war es immer mein Pferd in seinem Verhalten zu verstehen! Wenn man eine Herde beobachtet, erkennt man sehr schnell, dass alle Reaktionen einen Grund haben und auf die Reaktion eines Pferdes immer eine Handlung folgt.


Der Glaube, dass wenn sich ein Pferd widersetzt es immer daran liegt das es Respektlos ist & dem Menschen den Rang "streitig" machen möchte ist schlichtweg falsch!


Pferde äußern sich zu soviel mehr im Zusammensein mit dem Menschen!

Manchmal möchte das Pferd den Menschen darauf hinweisen, dass seine Position nicht ideal ist. Das Pferd nicht versteht was der Mensch möchte. Das Pferd keinen Sinn in alle dem erkennen kann. Der Mensch mit seinem Verhalten dem Pferd schadet usw.


Es ist an der Zeit die Botschaften der Pferde anzunehmen & jenseits von Zwang & Gehorsam dem Pferd zu begegnen!


Lernen wir die wahre Sprache der Pferde kann die "Bodenarbeit" ganz anders aussehen! Sie wird lebendig und echt! Kein Training & langweiliges überprüfen des "Ranges".


Es wird zu einem Tanz zwischen Mensch und Pferd!


Weiter geht es in Teil III....

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