• Sandra Kitzmüller

#Teil III: der unterschied: aktive Kommunikation und Pferdetraining? 3 Tipps für deinen Einstieg!

Zusammenfassend können wir also sagen, dass sich herkömmliche Umgangsformen sehr oberflächlichen Strukturen, des zwar natürlichen Herdenverhaltens der Pferde bedienen, aber nicht das tiefe Verständnis der Pferdesprache nutzen.


Dabei wäre es wichtig zu hinterfragen,

  • Warum ein Pferd ein anderes Pferd weg schicken darf?

  • Was der Anlass war, warum es weggeschickt wurde?

  • Wie es dazu gekommen ist, dass das Pferd in der Position ist das tun zu dürfen!

  • Was das mit der Integrität der Pferde zu tun hat, wie und wann ein Pferd ÜBERHAUPT weggeschickt werden darf!

  • Wie es sein kann, dass Pferde untereinander oft von Anfang an mit dem minimalsten Aufwand ihre Ziele erreichen können?

  • Wo ist die Lücke zwischen dem authentischen ranghohen Leittier, welches mit Leichtigkeit ohne "kloppen" seinen Rang halten kann & unserem Verständnis für Rangdemonstrationen, welches sehr oft mit schlichter "Grobheit" zu tun hat?



Egal was wir beim Pferd tun, ob wir es z.B. wegschicken/treiben oder einfach bitten zwei Schritte beiseite zu gehen. Dabei gibt es ganz klare Regeln unter Pferden, die immer eingehalten werden, um die INTEGRITÄT der Pferde zu wahren! Man könnte es auch als Kodex oder Knigge unter Pferden bezeichnen, welcher die Basis des Zusammenlebens unter Pferden bestimmt!


Dieser Kodex besagt, dass die Intention/Absicht mit der Handlung immer übereinstimmen muss!


  • Aus welchem Grund wird das Pferd weggeschickt?

  • Was steckt dahinter und wozu dient es? Ist es wirklich wichtig oder dient es einer Machtdemonstration?

  • Wie weit wird es weggeschickt? Das gibt dem Pferd sehr viel Auskunft darüber, was die Absicht des Menschen ist!



In der aktiven Kommunikation mit dem Pferd lernen wir immer zuerst, die INTEGRITÄT des Pferdes zu wahren! Das geschieht aber nicht im "Training", sondern in den ganz alltäglichen Handlungen!



Was bedeutet nun "aktive Kommunikation" genau?


Es bedeutet JEDE SEKUNDE mit dem Pferd zu kommunizieren! Pferde untereinander stellen sich täglich immer wieder die gleichen Fragen...


  • Bist du heute noch genauso schnell in deiner Reaktion wie gestern?

  • Hast du heute eine bessere Strategie als gestern?

  • Was machst du heute, wenn ich deinen Rang infrage stelle?

  • usw.


Pferde stellen auch uns Menschen jede Sekunde eine Frage! WARUM?


Weil Pferde zu jedem Zeitpunkt Wissen müssen, wer besser führen kann! Das Pferd möchte in jedem Moment eine authentische Antwort von seinem Menschen, an der es erkennt, dass der Mensch verlässlich ist! Dann übergibt das Pferd dem Menschen gerne die Führung OHNE Widerstand!


Als kleines Beispiel möchte ich dir hier das Thema: "schieben, drücken & Raum wegnehmen" aufschlüsseln!


Was würdest du sagen, wenn ich dir sage, dass dich dein Pferd niemals unangekündigt anrempelt? (natürlich gehen wir jetzt von einer entspannten Situation aus, in der das Pferd NICHT hektisch ist oder Angst hat)



Warum rempelt uns ein Pferd überhaupt an?


Nun das kann viele Gründe haben, die ich hier alle nicht aufschlüsseln kann, aber Pferde tun dies meist, weil sie "Antworten" brauchen!


Das Pferd möchte möglicherweise von dir Wissen, ob du jemand bist der gut auf seinen Raum achten kann, ob du jemand bist, der sofort sieht, wenn dir jemand den Weg abschneidet oder den Platz wegnimmt. Reagiert der Mensch nicht auf die Fragen, die das Pferd stellt, so ist dieser nicht im "aktiven Austausch" mit dem Pferd verbunden!


Die häufigste Problematik zeigt sich wie folgt:


  • Das Pferd kündigt seine "Frage"/ das "Infrage" stellen an!

  • Der Mensch nimmt dies NICHT wahr! Gibt dem Pferd also keine Antwort, dass es dies nicht tun kann!

  • Das Pferd reagiert folgerichtig (so wie es in seiner Natur verankert ist und so wie es unter Pferden auch reagieren würde, wenn ein Pferd keine Antwort geben würde! - Das ist aber sehr unwahrscheinlich, da Pferde eben immer miteinander kommunizieren, sehr wachsam sind und solche wichtigen Auseinandersetzungen NICHT "übersehen")

  • Das Pferd geht in den Körperkontakt, weil die Körpersprache und die Absicht zuvor vom Menschen nicht wahrgenommen wurde!

  • JETZT reagiert der MENSCH! Weil er angerempelt wird oder weil ihm der Raum weggenommen wird! Dies empfindet der Mensch natürlich als respektlos und unmöglich!

  • Nun wird durch Korrektur, Gehorsam oder Bestrafung das Pferd auf seinen Platz zurück verwiesen! "Es muss ja lernen nicht in den Menschen zu laufen & auf seinem Platz artig stehen zu bleiben"

  • DAS PFERD versteht und erkennt seine Natur und seine Sprache in diesem Vorgehen des Menschen natürlich NICHT! Denn das Pferd hat zuvor angekündigt den Menschen infrage zu stellen! Dieser hat aber nicht reagiert!

  • Ich würde das tatsächlich damit vergleichen:

  • Du fährst auf einer Straße. Vor dir fährt ein Auto. Es beginnt rechts zu blicken, weil es abbiegen möchte. Du nimmst das Blicken NICHT wahr. Der Autorfahrer vor dir muss natürlich bremsen um abzubiegen. Du erschrickst, weil der Fahrer vor dir plötzlich fast zum Stillstand kommt und fährst im hinten auf. Wer hier alles folgerichtig gemacht hat ist klar? Niemand würde auf die Idee kommen, dem anderen Autofahrer nun die "Schuld" zu geben. Dieser hat ja alles folgerichtig angekündigt! Mehr hätte er nicht tun können!


Was wäre, wenn wir die Pferde im "JETZT" lesen würden und sofort Antworten könnten?



Du kannst natürlich für dich selbst herausfinden, was der Wahrheit entspricht! Ich kann dir nur ans Herz legen, beobachte dein Pferd und experimentiere mit dieser "aktiven" Auseinandersetzung mit deinem Pferd.


Denn würden wir das Thema "rempeln" jetzt aus der Sicht dieser aktiven Kommunikation lösen, würde es bedeuteten seine Sinne zu schärfen und das Pferd lesen zu lernen. Wir würden im täglichen Umgang dem Pferd zeigen, dass wir ein Bewusstsein für unseren eigenen persönlichen Raum haben und dass es diesen auch achten soll!


Pferde unter sich zeigen sich auch ihre eigenen Grenzen & zwar bevor sie überschritten werden!


Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, wenn wir das so mit unseren Pferden alltäglich pflegen, hinterfragt unser Pferd die Wichtigkeit unseres eigenen, persönlichen Raumes irgendwann nicht mehr! Es weiß um die Wichtigkeit dieses Raumes, ohne Training!


Damit dein Pferd aber deine Grenzen auch wirklich wahrt, darfst du überprüfen, ob du WIRKLICH jemand bist der gut seine Grenzen abstecken kann! Pferde erkennen, ob der Mensch authentisch ist oder das ganze nur spielt!


Sollte dein Pferd nämlich trotz deiner Aufforderung die Grenzen zu wahren diese nicht beachten, so liegt die Ursache und die Lösung in dir und nicht in der Technik!


Der Lebendige & aktive Umgang mit Pferden ist immer individuell!


Bevor wir jetzt zum Ende dieses Blog-Beitrags kommen, möchte ich noch einmal Zusammenfassen & möchte dir 3 Tipps mitgeben, wie du in einen aktiven Austausch mit deinem Pferd kommen kannst:


  • Es gibt kein Richtig und falsch - dennoch werden häufig viele Begriffe synchron verwendet, in ihrer Auslegung aber unterschiedlich verstanden - Deshalb wollte ich mit dieser Blog Serien darüber aufklären was wir in der HOLIHORSE Guidance unter den einzelnen Begriffen verstehen und leben

  • Wenn unser Umgang durch Korrektur, Gehorsam & Machtdemonstrationen gekennzeichnet ist, dann ist es schwer bis kaum möglich wirklich "lebendig & aktiv" mit Pferden zu kommunizieren, weil das Pferd ja keinen Dialog mit seinem Menschen führen kann. Es darf sich nicht in seiner Gänze äußern

  • Es gibt für jedes Verhalten im Pferd einen ganz bestimmten Grund! Durch die aktive Kommunikation können wir Missverständnisse in ihrer Wurzel erkennen und ganzheitlich auflösen! Dann verändert sich auch das Verhalten des Pferdes - OHNE Maßregeln, Bestrafung oder Korrektur

  • Aktive Kommunikation bedeutet für mich immer = die Meinung des Pferdes zu akzeptieren und zu integrieren!


Abschließend - 3 Tipps für deinen Einstieg in die aktive Kommunikation mit deinem Pferd:


1. Höre zu


Es ist oft verpönt im Umgang mit dem Pferd, wenn es einmal "nein" sagt oder Widerstand zeigt, das hinzunehmen und zuzulassen! Ich rate dir jetzt nicht lass alles los und schau was passiert! Auf keinen Fall, aber bevor du wieder deiner gewohnten "Vorgehensweise" folgst beobachte dein Pferd und höre ihm mal zu!

  • Was hast du für ein Gefühl?

  • Was kommt bei dir an, wie fühlt sich dein Pferd?

  • Was könnte der Grund für seinen Widerstand sein?


2. beobachte dich selbst


Bevor Pferde ihren Unmut zeigen oder sich gegen das was der Mensch möchte stellen, gehen oftmals Handlungen voraus, die dazu geführt haben, dass das Pferd "nein" sagt! Beobachte dich selbst!

  • Was tust du und warum?

  • Dient das, was du tust dir und deinem Vergnügen oder macht es aus Sicht des Pferdes Sinn das zu tun, weil du es so vermittelt hast?

  • Wie bewegst du dich und wie führst du einzelne Handlungen aus?


3. beobachte deine Gedanken


Sehr oft und vor allem dann, wenn wir aus einem herkömmlichen Umgang kommen und uns eine tiefe, verbindende Beziehung mit unserem Pferd wünschen, stehen uns so einige Gedanken und Glaubenssätze im Weg! Diese meist überlieferten Gedanken und Überzeugungen, die wir jahrelang aus der Pferdewelt aufgesaugt haben, hindern uns dann diese unschuldige, neugierige und spielerische Beziehung zu unserem Pferd aufzubauen! Zu groß sind die Ängste, es könnte alles den Bach "runtergehen", eskalieren oder schlimmer werden. Dies lähmt uns manchmal förmlich dabei, neue Wege zu gehen!


  • Welche Überzeugungen fallen dir auf?

  • Was fällt dir super schwer loszulassen?

  • Wovon bist du so überzeugt, dass du nicht glauben kannst, dass es anders sein könnte?

  • Was wünschst du dir eigentlich mit deinem Pferd, was ist aktuell der Stand und warum glaubst du dies noch nicht erreicht zu haben?


Wenn dich diese Themen interessieren und du gerne mehr über den lebendigen, authentischen, ganzheitlichen und spielerischen Umgang mit dem Pferde erfahren möchtest, dann lade ich dich herzlich dazu ein meine Social Media Kanäle zu besuchen oder bei dem HOLIHORSE Guidance Podcast vorbei zuhören! :)


Alles Liebe, deine Sandra!


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